Film ab! Bildung mal anders

Veröffentlicht am: 30. September 2026

Altenkirchen/Neitersen. Das Licht geht aus, der Saal wird still. Dann erscheint auf der großen Leinwand ein Film. Geschrieben, gedreht, musikalisch begleitet und produziert von den Menschen in den Sitzen vor der Leinwand.

Am 10. September feierte in der Wied Scala in Neitersen der Kurzfilm „Tödliche Geburtstagsfeier“ Premiere, der in Zusammenarbeit mit dem Aktivcenter Altenkirchen, der Zukunftswerkstatt und des Berufsvorbereitenden Qualifizierungsangebotes (BbQ) von neue arbeit e.v. entstanden ist.

Begleitet wurden die Dreharbeiten von Fachanleiter Claus Janzen, der als Regisseur und ausgebildeter Schauspieler Erfahrungen aus der professionellen Filmproduktion einbrachte. Unterstützung gab es auch beim Drehbuch: Die Schauspielerin und Krimiautorin Isabella Archan und die Drehbuchautorin und Schauspielerin Claudia Matschulla vermittelten in einem Praxistag, worauf es beim Schreiben ankommt. Figuren, Dramaturgie und der Aufbau einer Geschichte standen im Mittelpunkt. Anschließend entwickelten und schrieben die Teilnehmenden ihr Drehbuch komplett selbst und setzten das Gelernte direkt im Filmprojekt um.

Was auf dem Papier nach einer ungewöhnlichen Methode klingt, war ein Bildungsprojekt, bei dem die Teilnehmenden im wahrsten Sinne des Wortes selbst das Drehbuch in der Hand hielten. Von der ersten Idee bis zum fertigen Film übernahmen sie Verantwortung: Sie entwickelten Inhalte, schrieben das Drehbuch, standen vor und hinter der Kamera und setzten die Dreharbeiten gemeinsam um. Auch die Filmmusik entstand in Eigenregie: Heinrich Back komponierte und spielte sie selbst ein.

„Wenn Teilnehmende erleben, dass ihre eigenen Ideen gefragt sind und sie selbst Verantwortung für ein gemeinsames Ergebnis übernehmen, entsteht ein ganz anderer Zugang zum Lernen“, sagt Björn Pulz, stellvertretender Geschäftsleiter von neue arbeit e.V.

Genau das wurde bei dem Projekt sichtbar. Wo sonst schnell die Frage nach Defiziten und beruflichen Schwierigkeiten im Mittelpunkt steht, rückten plötzlich Kreativität, Teamfähigkeit, Durchhaltevermögen und ganz praktische Talente in den Vordergrund. Die Teilnehmenden mussten sich aufeinander verlassen, Entscheidungen treffen und gemeinsam Lösungen finden.

Und die Begeisterung blieb nicht auf die Filmcrew beschränkt. Wer am Projekt beteiligt war, erlebte nicht nur die eigene Leistung neu, sondern konnte auch die Fähigkeiten der anderen entdecken. Aus zunächst vielleicht ungewohnten Rollen entstand ein gemeinsames Projekt, auf das die Beteiligten am Ende sichtbar stolz sein konnten.

Für neue arbeit e.V. liegt genau darin die Stärke des Projekts. „Das Projekt zeigt, dass Bildungsarbeit nicht in alten Mustern verharren muss. Nicht jede Motivation beginnt mit einem Lehrplan. Bildung bedeutet für uns auch, Menschen Möglichkeiten zu geben, ihre eigenen Stärken zu entdecken und zu erleben, was sie gemeinsam erreichen können“, erklärt Stefanie Schneider, Geschäftsführerin von neue arbeit e.V.

Am Ende stand deshalb nicht einfach die Premiere eines Kurzfilms. Für die Teilnehmenden war es der Moment, in dem aus einer ungewöhnlichen Idee ein sichtbarer Beweis dafür wurde, was in ihnen steckt.

Dann ging das Licht im Kinosaal aus. Film ab!
Für einige Minuten wurde aus den Teilnehmenden ein Filmteam und aus einem Bildungsprojekt echtes Kino.