Walk-Premiere macht Appetit auf mehr
Das Transferprojekt „Läuft!“ der beiden Vereine „neue arbeit“ und „Jugendwerkstatt Felsberg“ geht mit Schüler*innen und Betrieben neue Wege, um Kontakte zu knüpfen und zu pflegen
na Wissen. „Läuft!“ so könnte die Zwischenbilanz des seit Juli für Schülerinnen und Schüler an der Schnittstelle Schule und Ausbildung laufenden Projekts des gemeinnützigen Vereins ‚neue arbeit‘ mit Sitz in Altenkirchen sein. Das ist allerdings bei weitem nicht so, denn „Läuft!“ steht als Abkürzung für „Ländliche Ausbildungsförderung im Transferverbund“, ein Verbundprojekt mit dem nordhessischen Verein „Jugendwerkstatt Felsberg“. Ziel des Transferprojekts ist es, funktionierende Kleinprojekte aus ehemaligen JOBSTARTER plus-Projekten in andere Regionen Deutschlands zu übertragen.
Für den Projektträger ‚neue arbeit‘ bedeutet das, aktiv dazu beizutragen die aktuell für alle Beteiligten (Schüler*innen, Ausbildungswillige und Betriebe) schwierige Lage auf dem Ausbildungsmarkt zu entspannen und für eine Win-win-Situation zu sorgen, indem die Schüler*innen auf ihrem Weg zum erhofften Ausbildungsberuf und die Betriebe im Kampf gegen den absehbaren Fachkräftemangel unterstützt sowie begleitet werden. Projektleiter Bertram Aust: „Den Jugendlichen ist in den vergangenen zwei Jahren durch Lockdown und Distanzunterricht ein großer Teil der Berufsorientierung verloren gegangen. Auf der anderen Seite hat die Pandemie in vielen Klein- und Kleinstunternehmen für Verunsicherung gesorgt. Sie haben sich lange gescheut auszubilden, selbst an Praktikumsplätze ist zurzeit nur schwer zu kommen.“
Antworten auf die Fragen, wie Ausbildungswillige und Ausbildungsbetriebe wieder besser zusammenfinden bzw. wie Berührungsängste abgebaut werden können, sind die elementaren Bestandteile des ehemaligen JOBSTARTER plus-Projekts „Alf – Ausbildung im ländlichen Raum fördern“ der Jugendwerkstatt Felsberg. Die erfolgreichen Kleinprojekte der nordhessischen Kolleg*innen sollen zukünftig im Rahmen des ebenfalls als JOBSTATER plus-Projekt aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung geförderten Transferprojekts „Läuft!“ auch in der Region Westerwald und Altenkirchen durchgeführt werden. Aust: „Ein wesentlicher Bestandteil wird ein Ausbildungshandbuch sein, das sich speziell an die Betriebe im Kreis und in der Region richtet. Es soll ein branchen-, kammern- und themenübergreifendes Nachschlagewerk für Unternehmen in puncto Ausbildung werden.“
Ein zweiter Baustein stand in dieser Woche in Wissen im Terminplan, der Azubi-Walk. Pünktlich um 8 Uhr standen am Dienstag 16 Jugendliche des Abschlussjahrgangs der Wilhelm-Busch-Schule (WBS), die zurzeit als Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen 110 Schülerinnen und Schüler von der Klasse 1 bis 9 unter ihren Fittichen hat, parat, um in vier Gruppen Betriebe, Firmen und Unternehmen in Wissen anzulaufen, um sich berufsfeldübergreifend über potenzielle Ausbildungsbetriebe am Schulstandort zu informieren und um den Betrieben praxis- und standortnah die Möglichkeit zu bieten, ihre Ausbildungsangebote zu präsentieren.
Gruppe „Lager und Logistik“ mit Björn Pulz (rechts)

Insgesamt 15 wissener Betriebe hatte Projektleiter Bertram Aust für diese Azubi-Walk-Premiere als Mitwirkende gewinnen können: Die Walk-Gruppe „Hauswirtschaft und Pflege“ unter der Leitung von Karolin Imhäuser (‚neue arbeit‘) machte Station in der Talstraße (St. Hildegard), im Buschkamp (Werkhaus), in der Bröhltalstraße (Seniorenzentrum St. Josef) und in der Oststraße (Germania). Die Gruppe „Handwerk“ lief unter der Obhut von WBS-Lehrer Stefan Götze die Steinbuschstraße (Blumen Leonards), das Kreuztal (Kölschbach Haustechnik), den Mühlengraben (Stöver) und den Köttinger Weg (Wissener Hochbau WHB) an. Die Gruppe „Lager und Logistik“ hatte unter der Führung von Björn Pulz (Leiter der Bildungsangebote bei ‚neue arbeit‘) die Blähaustraße (Weberit), die Walzwerkstraße (Brucherseifer und DEG) und die Alte Hütte (Spedition Rödder) auf ihrem Laufzettel, während Bertram Aust, Bianca Brüß (Berufswahlkoordinatorin an der WBS) und der nordhessische Transferprojekt-Kollege Rüdiger Neumeier (Jugendwerkstatt Felsberg e.V.) mit der Walk-Gruppe „Metall“ die Route Wisserhof (Kleusberg), Morsbacher Straße (Stahlbau Buchen) und Koblenzer Straße (Dalex) zu bewältigen hatten.
Einig waren sich alle Beteiligten nach der vierstündigen Walk-Premiere in Wissen (Aust: „Für das nächste Jahr sind drei weitere Walks für Schüler der Maximilian-Kolbe-Schule in Scheuerfeld, der Bertha-von-Suttner-Realschule plus und der BBS Betzdorf-Kirchen.“), dass sie nicht allein der stramme Anstieg in der Böhmerstraße kurz vorm Start/Ziel Wilhelm-Busch-Schule ans Limit gebracht hatte, sondern auch die Flut an neuen, ausschließlich positiven Eindrücken in den Betrieben. Es waren derart viele, dass sich alle Begleiter*innen, Schülerinnen und Schüler sichtlich schwertaten, im Auswertungsbogen (Aust: „Den werden wir auch noch bei den Firmen abfragen.“) oder beim internen Feedback Unterschiede bei der Antwort auf die Frage zu machen, welcher Betrieb/welches Unternehmen oder welche Kontaktperson im Betrieb sie am meisten beeindruckt hatte. Pulz: „Es ist schön zu sehen, dass sich der Eindruck der Begleitpersonen nicht immer mit dem der Schüler*innen deckt. Das zeigt, wie wichtig ein direkter Kontakt ist, nur sollte er künftig etwas länger sein.“ Stefan Götze: „Wichtig für die Schüler*innen ist, dass sie beim Besuch der Firmen schon mal eine Türklinke in der Hand hatten, um damit die Tür zu einer Ausbildung öffnen zu können. Es wäre schön, wenn dieser Walk auch bei uns Routine würde.“
Auch seitens des Projektpartners aus Nordhessen gab es viel positives Feedback. Neumeier: „Ich war schier beeindruckt wie der Kollege Aust den Azubi-Walk für eine uns komplett neue Zielregion geplant und umgesetzt hat. Viele unserer Erfahrungen der nordhessischen Azubi-Walks konnten auch in Wissen greifen. Es ist schön zu sehen, dass ein entwickeltes Konzept auch in anderen Regionen perfekt umgesetzt werden kann. Ein echter Gewinn für Ausbildungsbetriebe und Ausbildungssuchende“.
An fehlender Fürsprache für das JOBSTATER plus-Transferprojekt soll es nicht mangeln. Lars Kober (Leiter der Wirtschaftsförderung im Kreis): „Dass es eine große Herausforderung ist, Fachkräfte zu gewinnen, ist nicht neu. Als Unternehmer muss man heute viel mehr dafür tun, und auch die Eltern der Schüler*innen müssen wir davon überzeugen, wie wichtig ihr Einfluss bei der beruflichen Orientierung ihrer Kinder ist. Damit ist ein solches Projekt, an dem sich vorab viele Firmen am Schulstandort beteiligen, sicherlich ganz wichtig und richtig, um überhaupt einen direkten Kontakt zwischen Schülern*innen und Betrieben hinzubekommen.“ Soll heißen: „Läuft!“ läuft gut. hwl
Mit dem Programm „JOBSTARTER plus“ fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bundesweit die Verbesserung regionaler Ausbildungsstrukturen. Die Projekte unterstützen mit konkreten Dienstleistungen kleine und mittlere Unternehmen in allen Fragen der Berufsausbildung und tragen so zur Fachkräftesicherung bei. Durchgeführt wird das Programm vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB).
Foto: hwl
Autor: neue arbeit e.V.












