Vom Rückzug in die Ausbildung

Veröffentlicht am: 9. Juni 2026

Nicht jeder junge Mensch startet mit den gleichen Voraussetzungen ins Leben. Manche tragen Erfahrungen mit sich, die Vertrauen schwierig machen und den Weg in Ausbildung, Schule oder Gesellschaft zu einer täglichen Herausforderung werden lassen. Genau hier setzt das Projekt „Perspektiven-Eröffnen+“ von neue arbeit e.V. an.

Vor knapp zwei Jahren kam ein junger Mann in unsere Maßnahme, dessen Kindheit von Unsicherheit und belastenden Erfahrungen geprägt war. Der Umgang mit anderen Menschen fiel ihm schwer, Konflikte entstanden schnell und Rückzug war oft sein Schutzmechanismus. Zusätzlich erschwerte eine ausgeprägte Lese- und Rechtschreibschwäche den Zugang zu vielen Bereichen des Alltags.

Anfangs war eine aktive Teilnahme kaum möglich. Doch Entwicklung braucht Zeit, Vertrauen und Menschen, die bleiben, auch wenn es schwierig wird.
Schritt für Schritt gelang es unserem Team, eine verlässliche Beziehung aufzubauen. Besonders praktische Tätigkeiten eröffneten ihm neue Zugänge zu seinen eigenen Fähigkeiten. In der Werkstatt arbeitete er mit Holz und Metall, probierte kreative Aufgaben aus und konnte erleben, dass er gebraucht wird und etwas leisten kann.

„Entscheidend war, dass er irgendwann verstanden hat, dass wir ihn nicht aufgeben“, sagt Guido Schelbach, der ihn während seiner Zeit bei neue arbeit e.V. eng begleitet hat. „Er brauchte Menschen, die ehrlich bleiben und trotzdem an ihn glauben.“

Auch sozialpädagogisch wurde er intensiv begleitet. Für Sozialpädagogin Maja Löhr zeigt seine Entwicklung, wie wichtig individuelle Unterstützung ist: „Hinter vielen Verhaltensweisen steckt eine Geschichte, die man oft nicht sieht. Wenn junge Menschen Vertrauen erleben und kleine Erfolgsschritte machen können, verändert sich häufig mehr, als man anfangs erwartet.“

Mit der Zeit veränderte sich auch sein Auftreten deutlich. Aus einem jungen Menschen, der sich stark zurückgezogen hatte, wurde jemand, der zunehmend Kontakt zulässt und beginnt, seinen eigenen Weg zu finden. Schwierigkeiten gehören weiterhin dazu. Doch heute hat er Strategien entwickelt, mit Herausforderungen umzugehen und den Mut, neue Schritte zu wagen.

Mittlerweile beginnt er eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker. Zum Abschied schenkte ihm das Team eine Schultüte als Glücksbringer für den neuen Lebensabschnitt. Ein kleines Symbol für einen großen Schritt.

Sein Weg zeigt, wie wichtig Projekte wie „Perspektiven-Eröffnen+“ für junge Menschen und unsere Gesellschaft sind. Denn Perspektiven entstehen dort, wo Menschen nicht vorschnell bewertet, sondern begleitet und gestärkt werden.

Dieses Projekt wird durch das Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen, Familie und Jugend Rheinland-Pfalz aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds Plus (ESF+) sowie durch das Jobcenter Kreis Altenkirchen gefördert.