neue arbeit Altenkirchen - Westerwald

Mehrwert ist in Corona-Zeiten mehr wert

Veröffentlicht am: 2. November 2021

41 über 50-jährige Langzeit-Arbeitslose haben in den vergangenen zwölf Monaten das Bildungsangebot ‚Ü50-bewegt!‘ genutzt

na Wissen. Ein für alle Beteiligten denkwürdiges Projekt im Reigen des vielfältigen Bildungsangebots des gemeinnützigen Vereins ‚neue arbeit e.V.‘ mit Sitz in Altenkirchen, das – so die Hoffnung aller – einmalig bleiben wird, geht in diesen Tagen in der Schulstraße in Wissen zu Ende. Trotz erschwerter Bedingungen bzw. ausschließlich unter Corona-bedingten Einschränkungen haben 41 Teilnehmende, 25 Männer und 16 Frauen im Alter zwischen 50 und 63, in den vergangenen 12 Monaten das Beste aus der dritten Auflage des Projekts „Ü50 – bewegt!“  gemacht, dessen vorrangiges Ziel es war, ist und bleibt, die Menschen noch einmal durch das vermeintliche Nadelöhr ‚Alter‘ auf den Arbeitsmarkt zu bringen oder zu begleiten.

Der Bereichsverantwortliche Vinzenz Jung und Gesundheitsberaterin
Claudia Friede hoffen, die Teilnehmenden am Projekt *Ü50-bewegt!“ über
den 1. November hinaus wieder öfter in größeren Gruppen in der Schulstraße
in Wissen sehen, betreuen, schulen und unterrichten zu können.

Sechs der 41 sind im Laufe des Jahres auf dem durch Corona in puncto Arbeitsplatz-Angebote für Langzeitarbeitslose zusätzlich in Mitleidenschaft gezogenen Arbeitsmarkt in Vollzeit an- oder untergekommen. Nicht weniger erfreulich ist für den 63-jährigen Bereichsverantwortlichen Vinzenz Jung, dass 23 der 41 ab Anfang November bei der bereits vierten Auflage des durch das Land Rheinland-Pfalz (Ministerium für Soziales, Arbeit, Transformation und Digitalisierung) und die Jobcenter im Kreis Altenkirchen (Altenkirchen, Betzdorf, Wissen) geförderten Projekts weiterhin in Wissen mit von der Partie sind und sein dürfen, um ihren eingeschlagenen Weg der Qualifizierung auf einem der 30 ausgeschriebenen Projekt-Plätze weiterzugehen.  Jung: „In den vielen Gesprächen mit den zurzeit 27 Teilnehmern und ihren Arbeitsvermittlern haben wir in den vergangenen Wochen 27 Mal die Fragen beantwortet: Wo hat die oder der Einzelne noch Qualifizierungsbedarf, wo sehen wir noch Handlungsbedarf, und wo oder wie lassen sich weitere Verbesserungen erreichen?“

Sind diese Antworten nach zwölf Pandemie-Monaten anders ausgefallen als in den vergangenen Jahren 2020 und 2019? Jung: „Die Abschlussgespräche haben mir diesmal vor allem gezeigt, dass die 23, die bei uns bleiben, nicht nur damit einverstanden sind, den eingeschlagenen Weg zusammen mit uns weiterzugehen, sondern diesmal auch sehr, sehr froh sind, überhaupt in dieser Maßnahme bleiben zu dürfen. Wieso das so ist, liegt auf der Hand: Sie haben bei uns allen Kontakt-Einschränkungen zum Trotz auch während der Pandemie jederzeit Kontaktpersonen, oft die einzigen überhaupt, bekannte, vertrauenswürdige Ansprechpartner und vor allem Menschen gefunden, die sie mit ihren Problemen nicht alleinlassen. Dieses Vertrauen ist für Menschen mit mehr als einem halben Jahrhundert Lebenserfahrung und vielen Brüchen in ihrer Biografie ein ganz wichtiges Kriterium, um aus der Isolation zu kommen oder vorbeugend nicht in Isolation zu geraten.“

Dieses Vertrauensverhältnis als Basis zur Entwicklung persönlicher und sozialer Kompetenzen in Pandemie-Zeiten zu pflegen, zu erhalten und nicht aufs Spiel zu setzen, das war laut Jung im Projekt „Ü50 – bewegt!“ für die ‚neue arbeit‘-Mitarbeiter die größte Herausforderung während der vergangenen zwölf Monate, in denen mit dem Lockdown ab 16. Dezember und selbst in den Zeiten der Hybrid-Durchführung (ab 26. Juli) direkte Kontakte oder Gemeinschaftserlebnisse extrem eingeschränkt waren. Selbst in der Hybrid-Variante („Damit werden wir auch in die neue Maßnahme gehen, ohne zu wissen, welche Auswirkungen für uns speziell das offizielle Ende einer epidemischen und pandemischen Lage haben wird.“) konnten die Teilnehmenden maximal an einem Tag pro Woche in Präsenz geschult oder betreut werden, um die Gruppen (maximal sechs Personen) Corona-konform klein zu halten. Zu kompensieren waren die verordneten Kontaktsperren und die fehlenden Gemeinschaftserlebnisse damit ausschließlich digital. Jung: „Zum Glück waren wir recht schnell in der Lage, uns mit bis zu 14 Leuten, die im Umgang mit den neuen Medien viel gelernt haben, regelmäßig und einigermaßen sicher in Video-Konferenzen, in denen wir uns zweimal die Woche in einem größeren Kreis sprechen und sehen konnten, auszutauschen.“

Damit gehört der aus der Not geborene, zwangsläufig durch Corona verstärkte und verbesserte Umgang aller Beteiligten mit den neuen digitalen Medien zu den positiven Erfahrungen aus einem „Ausnahme-Jahr, in dem wir nie davon abgerückt sind, Teilnehmer-orientiert zu denken, obwohl uns allen das Arbeiten und Lernen in der Gruppe und die direkten Kontakte untereinander in einem Projekt, das in Präsenz-Zeiten auch ein wichtiger sozialer Treffpunkt ist, spürbar gefehlt haben“ (Jung).

Obwohl Jung sein persönliches Ziel als im Corona-Jahr 2020/2021 erfüllt sieht („Eine Maßnahme muss jedem einzelnen Teilnehmenden einen Mehrwert bieten.“), hofft er, dass es sich so nicht wiederholen wird. „Im vergangenen Jahr mussten Sozialpädagogen und Anleiter in der oder über die Einzelbetreuung für diesen persönlichen Mehrwert sorgen. Diesen Mehrwert wollen wir schnell wieder in den Gruppen schaffen, damit unsere Teilnehmenden auch in einem Jahr sagen können: Wir haben unsere Chance genutzt.“

Das Projekt „Ü50 – bewegt!“ wird durch das Ministerium für Arbeit, Soziales, Transformation und Digitalisierung in Rheinland-Pfalz und die Jobcenter im Kreis Altenkirchen gefördert.

Foto:   hwl

Autor: hwl