neue arbeit Altenkirchen - Westerwald

Respekt übers Projektende hinaus retten

Veröffentlicht am: 9. August 2022

Für 30 über 50-jährige Langzeitarbeitslose endet im Oktober in Wissen die 4. Auflage des Bildungsangebots ‚Ü50-bewegt!

Wissen. Nachdem sich am 17. Mai nach mehr als zwei Jahren Corona-bedingter Einschränkungen der lange gehegte Wunsch erfüllt hat, alle 30 Teilnehmenden des seit dem 1. November zum vierten Mal seit 2018 vom gemeinnützigen Verein ‚neue arbeit e.V.‘ in Altenkirchen für Langzeitarbeitslose jenseits der 50 angebotenen Bildungsprojekts „Ü50 – bewegt!“ wenigstens an zwei Tagen pro Woche in der Schulstraße 3 in Wissen vor Ort auf eine berufliche Zukunft vorzubereiten, treibt den Bereichsverantwortlichen Vinzenz Jung und dessen Stellvertreterin Frau Wilhelm vor allem eine Frage um: Wie sieht das Einzelschicksal der 30 Frauen und Männer im Alter zwischen 50 und 65 Jahren nach dem 31. Oktober aus, wenn das Projekt nach vier Jahren ausläuft?

 

Jung: „Die Teilnehmenden und wir wissen seit dem Frühjahr, dass die in unseren Augen mit Blick auf die mittlerweile 33 Teilnehmenden sehr erfolgreiche und stabile Maßnahme eingestellt wird. Einfluss haben wir auf diese Entscheidung nicht mehr, sodass wir uns im neuen Team zurzeit vor allem Gedanken machen, was wir dem Einzelnen ab November an Alternativen bieten können und wie wir über den 31. Oktober hinaus vernetzt bleiben. Denn die zurzeit laufende Maßnahme, in der die Teilnehmenden bei uns trotz aller Kontaktbeschränkungen jederzeit einen zuverlässigen, festen Ansprechpartner hatten und uns in den vergangenen Monaten gezeigt haben, dass es für sie etwas ganz Wichtiges in ihrem Leben ist, sich wieder regelmäßig in der Gruppe zu treffen und zu lernen, war und ist eine ganz besondere: Ich habe noch nie ein Projekt  erlebt, in der so viele Teilnehmende ein Jahr lang so gern zu uns gekommen sind und so dankbar sind, kommen zu dürfen, bzw. so enttäuscht sind, künftig nicht mehr kommen zu dürfen. Die Dankbarkeit sollten wir über den Oktober hinaus mitnehmen, um – in welcher Form auch immer – in Kontakt zu bleiben. Denn sie zeugt von Respekt. Von Respekt im Umgang mit uns, aber auch im sozialen Miteinander.“

 

Der Bereichsverantwortliche Vinzenz Jung (l.) und sein
Mitarbeiter-Team hoffen, dass sich für die 30 Teilnehmenden
an der 4. Auflage des Projekts „Ü50-bewegt!“ bis zum
31. Oktober (Projekt-Ende) noch neue Türen öffnen werden.

Wie werden die Monate genutzt, bis es Ende Oktober heißt: It‘s time to say goodbye? Zurzeit kommen die 30 Frauen und Männer aus einem Einzugsgebiet, das von Ersfeld bis Mudersbach reicht und damit den Zuständigkeitsbereich der Jobcenter in Betzdorf, Wissen und Altenkirchen umfasst, zweimal pro Woche nach Wissen („Für eine Teilnehmerin ist der Weg fußläufig. Die anderen müssen viel Aufwand betreiben, um hierher zu kommen.“) , um in der Werkstatt oder im Schulungsraum in der Schulstraße unter der Anleitung von Markus Dick (seit 1. Juli Nachfolger von Harald Rasch) vorrangig mit Holz zu arbeiten und ihr handwerkliches Geschick auszuloten, um bei Stefanie Eitelberg (seit 1. Juli Nachfolgerin von Katharina Becker) viel über eine gesunde Ernährung und eine gesunde Lebensweise bei geringem Budget zu erfahren oder um unter Anleiterin Katharina Becker über die Unterrichtsschwerpunkte Allgemeinbildung/Sprachförderung dem Etappenziel ‚Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit‘ näher zu kommen.

Jung: „Wir leben auch im dritten Corona-Jahr mit der Gewissheit, dass es auf unserem Arbeitsmarkt noch nie so viele Beschäftigte jenseits der 50 gegeben hat wie heute. Diesen positiven Trend haben wir aber vor allem den starken Baby-Boomer-Jahrgängen in dieser Altersklasse zu verdanken, die Langzeit-Arbeitslosen profitieren kaum von dem wachsenden Angebot an Arbeitsplätzen. Zielführend kann zum Abschluss unserer Maßnahme, deren Notwendigkeit, Wichtigkeit und Erfolg uns und den Jobcentern im Juni noch der Prüfdienst der Agentur für Arbeit bestätigt hat, somit nur sein, unseren Teilnehmenden heute die existenzielle Frage zu beantworten, wie sie im kommenden Winter über die Runden kommen – trotz steigender Energiekosten, trotz steigender Inflation und trotz eines weiteren Winters in der Arbeitslosigkeit.“  hwl

 

Das Projekt „Ü50 – bewegt!“ wird durch das Ministerium für Arbeit, Soziales, Transformation und Digitalisierung in Rheinland-Pfalz und das Jobcenter  Kreis Altenkirchen gefördert.

Foto:   hwl

Autor: hwl