neue arbeit Altenkirchen - Westerwald

„In kleinen Schritten denken“

Veröffentlicht am: 7. Januar 2022

„Frauen!“-Projekt des Vereins ‚neue arbeit‘ in Altenkirchen bietet 15 Frauen eine Perspektive

Altenkirchen.  Seit Anfang Juli umfasst das reichhaltige Bildungsangebot des gemeinnützigen Vereins „neue arbeit e.V.“ in Altenkirchen ein Projekt mit dem auf den ersten Blick nicht vielsagenden Namen „Frauen!“. Ein zweiter besagt aber schon fast alles Wesentliche: Es ist ein nicht neues Projekt von Frauen für Frauen. Möglich gemacht wird es im Rahmen der neuen Förderperiode (bis Ende 2023) durch die Fördertöpfe des Europäischen Sozialfond mit dem Landes Rheinland-Pfalz und das Jobcenter Altenkirchen.
„Unser grundsätzliches Ziel ist, die aktuelle Lebenssituation der zurzeit 15 Frauen im Alter von Anfang 30 bis Mitte 50 so zu verändern und zu verbessern, damit sie über kurz oder lang aus dem Leistungsbezug kommen und einen Fuß in die Tür zum Arbeitsmarkt und zur damit verbundenen gesellschaftlichen Teilhabe bekommen: durch eine feste Arbeitsstelle, durch eine Teilzeit-Arbeit oder durch einen Mini-Job. Dabei müssen wir in kleinen Schritten denken und an kleinen Zielen arbeiten, weil alle sehr, sehr unterschiedliche Lebenssituationen haben.“ Das sagt Anna Ehnes, die eine der vier Frauen neben Pamela Wendel (Projektleiterin), Claudia Friede und Olga Reimer ist, die sich um die pädagogische Betreuung der Frauen bzw. um die pädagogische Ausrichtung des Projekts kümmern.

Gemeinsam ist allen 15 Frauen, dass sie bereits seit wenigstens 21 Monaten im Leistungsbezug sind und/oder als Alleinerziehende oder Immigrantinnen in eine schwierige Lebenssituation geraten sind. Dabei erfolgt die Zuweisung über die Jobcenter in Altenkirchen (8 Plätze) und Wissen (7). A.Ehnes: „Die Fluktuation im ersten halben Jahr war gering. Das spricht zum einen dafür, dass sich die Frauen untereinander gut verstehen und sie gerne zu uns kommen. Es spricht zum anderen aber auch dafür, dass es Zeit braucht, bis sich die Frauen für etwas Neues öffnen. Wir müssen die Inhalte ansprechend gestalten und motivieren.“ Fällt das in einem Jahr, in dem vieles passiert ist, was alle hautnah betrifft (Ukraine-Krieg, Energiekrise, Inflation) nicht leichter als sonst? Ehnes: „Mit bewährten Unterrichtseinheiten zu den Themen ‚Finanziell fit‘ oder ‚Die EU und ich‘ liegen wir sicherlich im Trend der Zeitenwende. Das spüren auch unsere Frauen, denen wir durchs Stärken des Selbstvertrauens und das Vermitteln fachlicher Kompetenzen das Handwerkszeug mit auf den Weg geben, um bewusst und verstärkt ihren Anteil zu übernehmen, die eigene Lebenssituation zu verändern oder zu verbessern.“

Wie sieht die Motivationsarbeit konkret aus?
A. Ehnes: „Dank der ESF-Mittel und der Förderzusagen haben sich natürlich auch die Richtlinien verändert, viele Themen sind vorgegeben. Das Themenangebot ist aber auch größer geworden, mit dem wir die Frauen zwei-, dreimal die Woche hier in Altenkirchen in Gruppen betreuen oder über regelmäßige Videokonferenzen an drei Nachmittagen erreichen können.“ Für diese Arbeit in festen Gruppen stehen den vier Pädagoginnen am Projekt-Standort in der Philipp-Reis-Straße in Altenkirchen seit Juli auch vier Anleiter zur Verfügung, die den 15 Frauen die (Alltags-)Themenbereiche EDV/Bewerbungstraining (Andrea Dahlke), Gesundheit/Soziales (Gudrun Kohl), Werkstatt/Projektarbeit (Markus Dick) und Kreatives/Gesunde Ernährung (Petra Wilhelm) in Theorie und Praxis erschließen.

Foto:  Claudia Friede (l.) und Anna Ehnes (r.)  sind zurzeit in
der Weihnachtsbäckerei in Altenkirchen mit von der Partie,
um mit ihren 15 betreuten Frauen die Päckchen für die
Tafeln in Altenkirchen und Wissen zu füllen. Foto: hwl

Wie sahen die Praxis-Einheiten aus?
A. Ehnes: „Wir hatten einzelne Projekttage wie den Besuch der ABOM in Wissen, haben am Entdeckerweg in Birnbach und am Haus ‚Felsenkeller‘ mitgearbeitet, sind regelmäßig an Garten- und Nabu-Projekten beteiligt und nutzen Küche oder Werkstatt hier im Haus, wann immer es sich anbietet. So wie im Moment für unser Weihnachtsprojekt, das Claudia (Anm.: Friede) bei uns auf den Weg gebracht hat. Wir machen jetzt Päckchen fertig, um sie an Weihnachten als Zugabe über die Tafeln in Altenkirchen und Wissen zu verteilen.“ Welcher Wunsch steht bei den vier Pädagoginnen beim Blick aufs Frauen-Projekt an Weihnachten ganz oben auf dem Zettel? „Wir alle sind glücklich, wenn dieses Projekt der einen oder anderen Frau etwas gebracht hat. Selbst wenn es nur das gute Gefühl ist, etwas aus eigener Kraft an ihrer Lebenssituation verändert zu haben.“ hwl

 

Anm.: Dieses Projekt wird durch das Ministerium für Arbeit, Soziales, Transformation und Digitalisierung Rheinland-Pfalz, aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds Plus (ESF+) und durch das Jobcenter Kreis Altenkirchen gefördert.

Autor: hwl